Panorama

Heul Doch! Ein Weckruf

Ein Kolumne zum Thema Warnung

„Was bedeutet dieser Heulton?“,  fragte Mitte Oktober, also vor wenigen Tagen, ein Bewohner Ludwigshafens in den sozialen Medien, nachdem in der pfälzischen Industriestadt infolge einer Explosion auf dem Gelände eines Chemiewerkes Sirenensignale zu hören waren. Als Angehörige von Behörden mit Ordnungs- und Sicherungsfunktionen antworten wir im Reflex, „ist doch klar, das bedeutet dies und das“. Von sich selbst auf andere zu schließen ist in diesem Kontext etwas ambivalent, denn zum einen reden wir aus einer Expertenperspektive, zum anderen hat sich das gesellschaftliche Umfeld im Vergleich zu den Jahrzehnten davor verändert. Unlängst stellte sogar eine Untersuchung des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe fest, dass die Bedeutung der Sirenensignale weitgehend unbekannt ist und man im Fall der Fälle auf sein Smartphone bzw. die Warnung durch die Nachbarn vertraut.

Unverzüglich beschwerten sich im oben genannten Fall die Anwohner der benachbarten Gemeinden über mangelnde Informationen und fehlender Warnung seitens der Behörden. Ohne darauf weiter eingehen zu wollen, bleibt festzustellen, dass sich die Feuerwehren dem Vorwurf ungenügender Information mittlerweile permanent ausgesetzt sehen – bis hin zur Vorhaltung, da solle etwas vertuscht werden. More

Abwechslung. Anstrengung. Alles andere als ein Hobby

Eine Kolumne zum Thema Dasein als Feuerwehrangehöriger

Irgendwo, irgendwann in Deutschand.
„Und, was machst Du so in Deiner Freizeit?“
„Ich?“ Kurze Pause. „Tja, ich bin bei der Feuerwehr!“
„Aha!“ Schweigen. „Und, da löscht Du Durst und so, oder?“ Lachen!

Irgendwie kennen wir (freiwillige) Feuerwehrangehörigen diesen Dialog nur zu gut, denn ein jeder von uns, ist auf die eine oder andere Art mit Vorurteilen, Unwissen oder schlicht Unverständnis auf das eigene außerberufliche Engagement konfrontiert. Dabei muss nicht immer der Stereotyp vom Durstlöscher im Vordergrund stehen. Viele Mitbürger können es sich ohne weiteres nicht vorstellen, freiwillig Zeit und Ressourcen, ja sogar die Gesundheit, unentgeltlich für etwas einzusetzen, das doch bequem, ganz im Sinne der deutschen Dienstleistungs- und staatlichen Fürsorgementalität, mit hauptberuflichen Feuerwehrangehörigen erledigt werden könnte. More

Battenburg und wie ich gesehen werden will

Feuerwehr Kopenhagen

Es lässt einen nicht los: Da will man einfach mal abschalten, prompt fährt einem am Straßencafé ein Löschzug vor die Nase. Bis vor etwas mehr als einem Jahr war Københavns Brandvæsen noch Teil meiner damaligen Tätigkeit. Und jetzt? Ich bin nicht mehr bei Paratech, Dänemark hat wieder reformiert, es gibt die Feuerwehr Kopenhagen nicht mehr, dafür Hovedstadens Beredskab, ein Zusammenschluß von acht Feuerwehren.  More

Immer schön unten bleiben

Das amerikanische Feuerwehr-Netzwerk FireEngineering hat eine interessante (und wissenswerte) Zusammenstellung zum Thema Wärme und Auswirkungen auf den menschlichen Organismus und Textilien publiziert. Die Zusammenstellung zeigt einerseits die zu erwartende Höhe der Wärme, führt aber auch vor Augen, wie empfindlich die menschliche Haut ist und mit welcher Schutzwirkung wir bei der PSA rechnen können.  [FireEngineering] More

Lebensretter seit 45 Jahren

Notrufsäule. Quelle: KMJ / Wikipedia Creative Commons (CC BY-SA 3.0)

Während für so manchen beruflichen (oder ehrenamtlichen) Retter nach 45 Jahren meist Schluss ist, stehen die orangefarbenen Notrufsäulen noch immer an den deutschen Autobahnen. Die Betonung liegt dabei auf „noch“, denn der  Dienstleistungsvertrag zwischen der Dienstleistungstochter des  Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft und dem Bund Ende 2018, und noch weiß niemand, wie es mit den Notrufsäulen weitergehen wird. Dass sich im Zeitalter der Mobiltelefone der Sinn der stationären Einrichtungen keineswegs erledigt hat, gibt man gerne zu, auch ist man offen für die Weiterentwicklung im Kontext der  digitalen Infrastruktur für das vernetzte Fahren. [Newsletter der GDV 2-2016: Retter in höchster Not]

Großschäden in der Sachversicherung

Zwei Feuerwehrleute bekämpfen einen Autobrand

Der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hat einen Bericht  zur „Schadenverhütung in der Sachversicherung 2015/2016“ vorgelegt.

Aufgelistet werden u.a. die zehn größten Schäden des Jahres 2015 (auf Platz 1: Brand eines Schlachthofes mit einem Schadenaufwand von 265 Mio. Euro).  Das klingt schon hoch, aber in der Zusammenstellung der zehn größten Schäden seit 1962 rangiert ein Brand aus 2005 mit 407 Mio. Euro Schadenaufwand.

Aufschlussreich ist auch der Blick auf die Hauptursachen für den Schadenumfang des Feuers für die Jahre 2004-2013 (S. 9), der zeigt, dass die Folgeschäden durch z.B. Ruß und Verschmutzung mit giftigen Stoffen, den Löwenanteil des Schadenaufwandes ausmachen. [PDF]

Statistische Auswertung von Brandschäden

Feuerwehrleute beim Löschen eines Brandes

Die vfdb – Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes e.V. – hat vor einiger Zeit die ersten Ergebnisse zu dem von ihr initiierten Projekt „Brandschadenstatistik“ publiziert. Das Projekt soll allgemeine statistische Aussagen über Brandeinsätze in Deutschland von der Alarmierung der Feuerwehr bis hin zu den entstandenen Brandschäden sammeln. Im Fokus des Projektes steht dabei die Analyse der Wirksamkeit von eingeleiteten (anlagentechnischen) Brandschutzmaßnahmen – also der statistische Nachweis der Wirksamkeit. Gleichwohl werden im Rahmen des Projekts noch immer Daten gesammelt bzw. ausgewertet. More

DK: Privater Rettungsanbieter insolvent

in Dänemark wird an allen Ecken kräftig gespart, auch beim Rettungsdienst. So vergab die Region Süddänemark mit ca.  1,2 mio. Einwohnern vor zwei Jahren den Betrieb des Rettungsdienstes an die Niederländische Firma BIOS. Mitbieter Falck ging nach 95 (!) Jahren leer aus.  Einsparungen: mindestens 5 Millionen Kronen, umgerechnet ca 700.000 Euro pro Jahr.

Der Start war holprig, BIOS konnte die Zusagen, insbesondere an vorgehaltenem Personal, nicht einhalten und erhielt scheinbar 50 Millionen Kronen zuviel überwiesen. Überlaufenes Fass: die Region hat den Konkurs von BIOS beantragt, faktisch das aus, da eine sofortige Rückzahlung des Betrages wohl nicht möglich ist. Der Betrieb soll sicher gestellt werden, und: die Region möchte ihn selbst übernehmen.

Unterm Strich eine interessante Geschichte, abgesehen von der mißlichen Lage der Angestellten: denn die Abgabe von „kritischen Strukturen und Dienstleistungen“ an Privatanbieter ist eine heikle Sache. Jedenfalls ist die Gefahr groß, wenn es ausschließlich um die Kosten geht, dass das schief gehen kann, wie man sieht.

Kampagne zeigt Verwundbarkeit im Verkehr

Das ist Graham. Er ist so gebaut, dass er den Zusammenprall mit Autos überleben kann. Quelle: Victoria’s Transport Accident Commission

Das ist Graham. Er ist so gebaut, dass er den Zusammenprall mit Autos überleben kann. Quelle: Victoria’s Transport Accident Commission

Was aussieht wie eine Kreatur, die einem Roman von Lovecraft entsprungen sein könnte, stellt in Wirklichkeit eine Studie dar, wie ein Mensch konstruiert sein müsste, damit er als Fußgänger einen Autounfall überleben könnte. „Graham“, so der Name der interaktiven Skulptur, wurde von einem Unfallchirurgen, einem Unfallsachverständigen und einem Künstler für eine Verkehrssicherheitskampagne in Australien entwickelt und soll die Verletzlichkeit des Menschen optisch veranschaulichen. Hierzu besitzt Graham kein Genick, das nicht brechen kann; ein flaches Gesicht, um Nase und Ohren zu schützen; Airbags um jede Rippe; eine dickere und widerstandsfähigere Haut; sowie in alle Richtungen biegbare Knie. [The Guardian | Meetgraham.com.au]

(in Vertretung für Irakli veröffentlicht)