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Von 1992 bis 1997 in der Jugendfeuerwehr und von 1998 bis 2008 in der Freiwilligen Feuerwehr Freiburg, von 2006 bis 2007 in der Freiwilligen Feuerwehr Baden-Baden und seit 2008 in einer Freiwilligen Feuerwehr am Bodensee.

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Ausstellung: 70 Jahre Operation Gomorrha

Löscharbeiten nach Luftangriff. Bild: Bundesarchiv

Der 25. Juli bis 3. August 1943 ist im kollektiven Gedächtnis der Hamburger Bevölkerung als Hölle biblischen Ausmaßes haften geblieben. Mit der „Operation Gomorrha“ hatte die Royal Air Force (RAF) den bis dahin schwersten Angriff in der Geschichte des Luftkriges geflogen. Die besonderen klimatischen Bedingungen und neuartige Brand- und Sprengbomben führten zu einem Feuersturm, der für den Großteil der Zerstörung und Opfer verantwortlich zeichnete. Gestern eröffnete die Sonderausstellung „1943: Operation Gomorrha – das Bombardement auf den Elbinseln“, die „die Erfahrungen der unmittelbar betroffenen Zivilbevölkerung schildert und einen bewegenden Einblick in das Leben während des Kriegs gibt“.

Für den geschichtsinteressierten Feuerwehrmann eine nicht uninteressante Ausstellung. An dieser Stelle sei auch das biographisch geprägte Buch „Feuersturm über Hamburg“ des späteren Hamburger Branddirektors Hans Brunswig empfohlen, der ungeschminkt und sachlich das Bombardement aus Sicht der Feuerlöschpolizei beschreibt.

Links

Wikipedia

Welt online

Ballin Stadt Museum

 

Dominoeffekte

Warum kaputte Straßen auch die Feuerwehren interessieren sollten

Spiegelung im Schlagloch

Foto: Spiegelung im Schlagloch von lorenzwalthert (flickr.com) / CC-BY-ND 2.0

 Man stelle sich vor, die Feuerwehr kann zu einem Brand nicht innerhalb der Hilfsfrist zur Tat schreiten, weil die auf dem Weg zum Einsatzort liegende Brücke von Fahrzeugen über 3,5 t aus statischen Gründen nicht mehr befahrbar oder sogar vollständig gesperrt ist. Straßen können nicht mehr in Anspruch genommen werden, weil die Schlaglochanzahl ein rasches Vorankommen nicht erlaubt, ohne die Sicherheit der Fahrzeuginsassen zu gefährden. Schließlich kann Wasser aus dem öffentlichen Hydrantennetz nicht mehr gefördert werden, weil das Rohrleitungssystem nicht mehr gewartet wurde und das meiste Wasser irgendwo versickert. Wegen fehlender Barrierefreiheit konnten sich die betagten Bewohner des brennenden Gebäudes selbsttätig nicht mehr in Sicherheit bringen. … More

Das weiße Rauschen

rauschen_unscharf

Iraklis Beitrag „Unterwegs im Tilt-Shift-Web“ rief einen, mehr oder weniger, unterdrückten Impuls in mir hervor, der sich bildlich ebenfalls mit der Metapher „Schärfe“ und „Weichzeichnen“ veranschaulichen lässt. In den letzten Monaten habe ich mir Gedanken gemacht, worüber ich im Feuerwehr Weblog schreiben könnte, was ich „scharf stellen möchte“, worauf ich den Fokus richten könnte. More

Neue Technologien – Neue Herausforderungen

Neues Buch: „Standard-Einsatz-Regeln: Einsatz bei Photovoltaik-, Windenergie- und Biogasanlagen“

Buchcover SER Einsatz bei Photovoltaik-, Windernergie- und Biogasanlagen

„Feuerwehr lässt Haus abbrennen wegen Solaranlage auf dem Dach“, „Feuerwehr schaut tatenlos brennendem Windrad zu“ …. Es sind Überschriften der boulevardorientierten Presse wie diese, die die Öffentlichkeit aufschrecken und zu öffentlichkeitswirksamen Argwohn am Handeln der örtlichen Feuerwehr führen. In der Tat stehen die freiwilligen Feuerwehren noch immer vor gewissen Schwierigkeiten, wenn sie zu Einsätzen an Fotovoltaik-, Windenergie- und Biogasanlagen alarmiert werden. Im Zweifel geht die Sicherheit der Einsatzkräfte vor, allerdings folgen dann aufmerksamkeitsheischende Schlagzeilen wie eingangs dargelegt. Mit der 2011 oktroyierten Energiewende wird es in Zukunft vermehrt Anlagen alternativer Energieerzeugung in Deutschland geben, darauf müssen sich die Feuerwehren unabänderlich einstellen und sich mit diesen Technologien auseinandersetzen. Das Buch „Standard-Einsatz-Regeln: Einsatz bei Photovoltaik-, Windenergie- und Biogasanlagen“ will Feuerwehren helfen Wissenslücken bei den Einsatzkräften zu stopfen und damit zu einer effektiven Einsatzbearbeitung beizutragen. More

Christkind beim Paketausliefern unterstützt

In Spammgurte eingepackter Betonblock

Um dieses Betongeschenk auszuliefern, forderte das Christkind Feuerwehr und THW an.

In den frühen Stunden des Dienstagabends (04.12.12) forderte das Christkind die Kameraden des Rettungszugs der Feuerwehr Konstanz und des THW OV Konstanz zur Unterstützung bei der Auslieferung eines Pakets an, das aufgrund von Übergewicht und einem im Weg stehenden Fahrzeug nicht auslieferbar war. Feuerwehr und THW waren jedoch genötigt, weitere Hilfsmittel zu beordern, die in Gestalt von Irakli West von „Heavy Rescue Germany“ am Ort des Geschehens erschien. Der Experte für das Heben und Bewegen von schweren Lasten stand den Helfern mit fachmännischem Rat zur Seite. More

Acht Jahre in Betracht mitgebracht

Wann ich den ersten Beitrag im Feuerwehr Weblog (FWB.01) veröffentlicht habe, ist beileibe keineswegs einfach zu beantworten, hängt es freilich von der Definition ab, die man zugrunde legt: Der erste (durch jemand anderen) veröffentlichte Beitrag, der erste selbst vorgelegte Artikel oder die erste als offizieller Autor herausgebrachte Abhandlung? Schwierig zu entscheiden, im Speziellen aber pedantisch, einstweilen liegen lediglich wenige Monate dazwischen. Zeit ist ohnehin relativ, kommt es mir wahrlich wie gestern vor, als ich als Feuerwehrschreiberling debütierte.

Wenn ich meine alten Texte lese, befällt mich manches Mal das Grausen, denn vollkommen belebt vom Bloggen und heillos infiziert vom Blogvirus, schrieb ich ohne Unterlass und ohne Plan, ohne Stil und ohne Konzept. Rückblickend würde ich die einstige Vorgehensweise gänzlich als authentisches Bloggen charakterisieren, schließlich ist noch kein Meister vom Sternenhimmel gefallen. Blogger durchlaufen im Übrigen einen Reifungsprozess. Immerhin ist das Lesen der einstigen, eigenen Artikel zugleich ein Stück persönliche Erinnerungskultur – wenigstens.

fwb.01 2005-2006: Einfach nur über Feuerwehr bloggen

Das Neue, das Fremde und das Unbekannte standen am Ursprung, und, ohne nun religiös klingen zu wollen, am Anfang stand das Wort. Meine seinerzeitige Bloggerei zeichnete sich durch das Vordringen in das Unentdeckte aus, sozusagen, um an der Analogie zu Star Trek festzuhalten, „Boldly to go where no man has gone before“. More

Das FKK-Prinzip: Feuerwehr – Kooperation – Kommunikation

Die Gleichung Feuerwehr ist gleich Teamwork erscheint auf den ersten Blick banal, denn aus taktischer Sicht ist z.B. eine Gruppe funktional gegliedert und die einzelnen Teile greifen wie Zahnräder ineinander – zumindest in der Theorie. Der Gruppenführer gibt die Befehle, der Maschinist kümmert sich um das Fahrzeug, der Angriffstrupp rettet oder löscht usw.

Kommunikation und Kooperation sind das A und O innerhalb der Feuerwehr

Ohne Teamwork wäre das nicht möglich: Italienische Feuerwehrleute zeigen, was man mit tragbaren Leitern und Teamwork erreichen kann.

Teamwork in der Feuerwehr setzt also verschiedene soziale Rollen innerhalb der Gruppe voraus, deren wichtigste „Befehlsgeber“ und „Befehlsausführer“ sind. Teamwork ist indessen nicht immer gleichbedeutend mit Teamwork. Eine freiwillige Feuerwehr ist eine sehr heterogene Organisation mit unterschiedlichsten Persönlichkeiten und charakterlichen Prägungen. Das hat Auswirkungen auf die Art und Weise, wie die Gruppe zusammen agiert. Ist der Befehlsgeber wenig durchsetzungsfähig oder erteilt unklare Anweisungen, gerät das gesamte Getriebe ins Stocken, führen Befehlsempfänger ihre Aufgaben nicht aus oder beginnen auf eigene Faust konkurrierende Tätigkeiten, verhaken sich die Zahnräder und es kommt zu Stillstand, verweigern Kameraden ihre Mitarbeit, arbeitet die Maschinerie schwerfälliger. More

Vom Alles-Können-Müssen wollen

Kürzlich hatte ich eine kurze, aber aufschlussreiche Diskussion, deren Inhalt sich zugleich auf andere Gebiete in der Feuerwehr übertragen lässt. Ausgehend vom Grundsatz der umfassenden Erkundung durch den Einheitenführer und den realen Restriktionen einer 360 Grad-Erkundung, z.B. durch die Größe der Einrichtung, der Verbauung etc., stellen UAVs – oder auch Drohnen – eine exzellente, luftgestützte Vervollständigung der Erkundung dar. Einigkeit bestand grundsätzlich über den Einsatz von Drohnen.

Drohne mit Kamera

Ein Hexacopter mit Kamera

Uneinigkeit gab es zuletzt darüber, was die Drohne können muss. Drohnen bei den BOS sind meistens als funkferngesteuerte Quadrocopter, Hexacopter oder Octocopter ausgeführt und haben eine relativ geringe Nutzlast.

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Aus Spaß wurde ernst …

Erinnert sich noch jemand an meine satirische Darstellung der neuesten Feuerwehrinnovation? Nein! Hier ein kleiner Auszug:

[…] Auch die Navigation auf Basis von GoogleMaps wirft Probleme auf, so sind die verwendeten Karten nicht tagesaktuell, und im Bereich der Mikrokarten stößt Google noch immer auf große Ablehnung. Mikrokarten zeigen von Google erstellte Bilder aus Häusern und anderen nicht von Satelliten einsehbaren Objekten. Der Suchgigant hat dabei aber immer wieder mit dem Widerstand von Wohnungs- und Hausbewohnern zu kämpfen.

Als störend dürften Einsatzkräfte allerdings die Einblendung von Werbung empfinden. Der GHelm liefert passende Werbeanzeigen zu eingegebenen Suchbegriffen oder Einsatzszenarien. Brennt zum Beispiel der Akku eines Dell-Notebooks, zeigt der GHelm einen zehnsekündigen Werbespot für das Lenevo Thinkpad. Die Kopplung der Navigationsfunktion mit der Einblendung von Werbung führt bisweilen zu skurillen Ergebnissen. So berichtete Ulrich Maurer von der Feuerwehr Hamburg über einen Praxistest, der eine ungewöhnliche Wendung nahm. Die Einsatzkräfte gaben “Löschwasserentnahme” ein, daraufhin führte der GHelm die beiden Feuerwehrmänner statt zum nächstgelegenen Hydranten in ein zwei Kilometer entferntes Spirituosengeschäft. […]

Wer weiterlesen möchte, der folge diesem Link zum vollständigen, übrigens hinter keiner Pay-Wall versteckten Text. More

Die Gier nach den Bildern

Gedanken zum Brandunglück in Titisee-Neustadt

Der Qualm ist noch nicht verzogen, die Feuerwehr löscht noch Glutnester, die Polizei beginnt mit den ersten Befragungen – und in den Foren, Blogs und (digitalen) Stammtischen findet bereits die televisuelle Ursachenanalyse statt. Anhand von ein paar Bildern, Twitter-Stats und den rudimentären Berichten der Massenmedien ist der Schuldige sofort ausgemacht:

  • Die Feuerwehr war nicht schnell genug, weil es ja nur ein BMA war;
  • Die Feuerwehr ist ja freiwillig, das muss ja schlimm ausgehen;
  • Die Brandschutzbestimmungen wurden nicht eingehalten;
  • Behinderteneinrichtungen werden subaltern behandelt etc

Und nein, diese Behauptungen habe ich mir nicht ausgedacht, sondern sind im Netz auf den großen Nachrichtenseiten als Kommentare zu finden! Gerade was die besonders tragischen Blaulichtmeldungen betrifft, wäre es vollkommen in Ordnung, die Kommentarfunktion abzuschalten, um andere Leser und vor allem die Betroffenen von diesem unsäglichen Schuldzuweisungsspam zu verschonen.

Ich finde es unverschämt, geradezu pervers, dass wir, unmittelbar nachdem ein Brand ausgebrochen ist, bereits wissen wollen, was die Ursache war und wenn wir es nicht wissen uns irgendetwas zusammenreimen – und da nehme ich die Feuerwehrleute selbst nicht aus! Wir haben so gut wie keine Informationen und meinen unlängst alles zu wissen.

Aus ein paar Pressefotos meinen wir missachtete Regeln herauszulesen, aus Veröffentlichungen auf der Homepage der örtlichen Feuerwehr mutmaßen wir taktische und technische Defizite und, ach ja, der kirchliche Träger der Einrichtung muss etwas zu verbergen haben. Es muss so sein. Es darf nicht anders sein. Schuldzuweisung als überkorrekte deutsche Untugend!

Fotos und auch Webseiten sind im besten Fall Ausschnitte der Realität, meistens jedoch Interpretationen dessen was der Urheber gesehen oder erlebt hat, sie sind zutiefst subjektiv. In unserer Gier nach immer mehr Bildern und unserer Bilderstreckenklicksucht verkennen wir die Bruchstückhaftigkeit der uns dargebotenen Informationshäppchen und erdreisten uns derart, als seien wir selbst vor Ort gewesen, hätten alles persönlich erlebt und würden natürlich ganz anders handeln.

An die Opfer, die Angehörigen und die Helfer denkt kaum einer, sie sind Statisten eines multimedialen Zirkus, der die Gier der Zuschauer nach Action, dramatischen Bildern und Videos und immer horrender werdenden Fakten befriedigt. Was sind wir bloß für eine perverse Gesellschaft?

Seit einfach nur still und behaltet eurer Geschwätz für euch, bis genügend Fakten auf den Tisch sind. Gerade die Besserwisserei von so manchem „Feuerwehrmann“ (oder jemand der es gerne sein möchte) ist unangebracht.

Mein Mitgefühl gilt den Opfern, Angehörigen und Helfern, über die unvermittelt eine derartige Katastrophe hereingebrochen ist.