Offside

Integrieren um zu engagieren

Momentan fühle ich mich unwohl. Nicht, weil es so heiß ist, sondern weil ich aus den Medien Dinge entnehme, die mich schockieren, betroffen machen und Zweifel an der Mentalität der Gegenwartsgesellschaft nähren – ja, gerade weil ich Feuerwehrangehöriger bin. Jenseits von „neuen“ politischen Parteien und obskuren Demonstrationsbewegungen, die bei mir nur Kopfschütteln und den Sarkasmusmodus auslösten, muss ich erkennen, dass beide ideologische Wegbereiter für etwas sind, von dem ich hoffte, die deutsche Gesellschaft hätte es überwunden. Und ja, auch die Feuerwehren sind mal direkt, mal indirekt davon betroffen. Ich schreibe von den zunehmenden Brandanschlägen auf Einrichtungen für Flüchtlinge und die meinungsmachende Hatz in den sozialen Medien auf alles, was verbal nicht rechts von den Rattenfängerorganisationen steht. Ich bin zwar weit davon entfernt, mir linke Ideologien eigen zu machen oder gar ernst zu nehmen, aber momentan komme ich auch als Feuerwehrmann aus dem Nachdenken darüber, was in diesem Land falsch läuft, nicht mehr heraus. (Wohlgemerkt, die Ursachen für die gegenwärtige Situation sind auch bei den etablierten Parteien und der Lethargie der Regierenden zu suchen). More

Absicherung als Teil des Führungskreislaufs

Standard-Einsatz-Regeln: Absicherung von Einsatzstellen

technical rescue / technische rettung

Absicherung einer Einsatzstelle

Eigenschutz geht vor, das gilt nicht nur im Innenangriff, sondern bereits zu Beginn eines Einsatzes, nämlich dann, wenn das Feuerwehrfahrzeug auf einer Straße steht und die Mannschaft im öffentlichen Raum ihrer Tätigkeit nachgeht. Andere Verkehrsteilnehmer sind bei einem Einsatz immer effektiv zu warnen, damit aus Rettern nicht selbst Opfer werden. Absicherung ist daher grundsätzlicher Teil des Führungskreislaufs. Dennoch hilft auch die beste Absicherung nichts, wenn sie von anderen missachtet wird. More

Ein alter Schuh der noch immer stinkt

Historisches Feuerwehrfahrzeug vor dem Kurhaus in Baden-Baden.

Öffentlichkeitsarbeit sollte mehr sein als nur historische Fahrzeuge auszustellen.

„It’s the economy, stupid“ war eines der Schlagsätze, der 1992 von James Carville für die Kampagne des demokratischen Präsidentschaftsbewerbers Bill Clinton verfasst wurde, um zum Ausdruck zu bringen, was den Leuten – den Wählern – wichtig ist. Zu „It’s the public relations work, stupid“ möchte ich das Zitat nach den Erlebnissen dieser Woche umformulieren. Warum? Eigentlich ist es ein ziemlich alter Schuh, so alt, dass der Gestank desselben schon längst verdunstet scheint. Ohne Öffentlichkeitsarbeit schießen Spekulationen ins Bodenlose, machen wüste Unterstellungen die Runde und das eigene Ansehen nimmt Schaden. Trotz dieses Wissens ereignen sich immer wieder große und kleine Kommunikationspannen. Die vergangene Woche bot mir, wie unter einem Brennglas fokussiert, die Bedeutung einer funktionierenden Öffentlichkeitsarbeit: einmal lokal und einmal bundesweit. More

Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen

Rezension von Übungen. Planung und Durchführung aus der Reihe Fachwissen Feuerwehr

… lautet ein Sprichwort, das für den Bereich der nicht-polizeilichen Gefahrenabwehr ebenfalls gilt. Feuerwehrleute werden nicht, auch wenn das so mancher gerne hätte, alles wissend und alles könnend geboren. Wissen und Können sind in einem langen Prozess aufzubauen, ein Prozess, der überwiegend aus Übungen und weniger aus praktischen Anschauungen besteht. Steigt man nun die Führungshierarchie nach oben, werden die Entscheidungen komplexer, und damit auch die Vorbereitung einer Übung. Führen können und üben müssen gehen Hand in Hand. Gegenstand des Buches „Übungen. Planung und Durchführung“ aus der Reihe Fachwissen Feuerwehr ist nicht die taktische Übung, also die Übung, die Gruppenführer regelmäßig zusammen mit Mannschaften am Dienstabend durchführen, sondern die strategische Übung, weshalb sich das Buch an die Zielgruppe Zugführer aufwärts richtet. Dabei eignet sich die kurze Zusammenschau von Strott und Demel als Stichwortgeber und Gedankenstütze besonders für Einsteiger im Bereich der strategischen Übungsorganisation ebenso wie zum Nachschlagen für gesetzte und langjährige Führungskräfte.

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Die Mär von der langsamen Feuerwehr

Ein Erlebnis, das mich bis heute beschäftigt

„Die freiwillige Feuerwehr braucht in Deutschland zwanzig bis dreißig Minuten bis zum Einsatzort“, nein, dieser Satz entstammt nicht dem Mund eines unwissenden Bürgers, sondern, wurde von einem Trainer/Lehrer/Ausbilder einer großen, europaweit tätigen Prüfungs- und Qualifizierungsgesellschaft während eines Brandschutzhelferlehrgangs ausgesprochen. Sieht man von dem Umstand ab, weshalb ich mit meiner Feuerwehrqualifikation auf diesem Lehrgang teilnahm, war es für mich als Fachmann erhellend, was den Teilnehmern – zukünftigen Brandschutzhelfern! –, die mit Feuerwehr bis dato nichts am Hut hatten, über die freiwillige Feuerwehr mitgeteilt wurde.

Das für mich eigentlich Schlimme war, dass der Referent dann noch behauptete, selbst vor einiger Zeit in der Feuerwehr gewesen zu sein. Seine These von der langsamen Feuerwehr fiel im Auditorium auf fruchtbaren Boden, weil jeder ja schon mal erlebt hat, wie man auf die Feuerwehr wartet, die einfach nicht kommen will – auf die Uhr schaut dann keiner! Mein Widerspruch prallte mehr oder weniger ab, weil mir, einem Lehrgangsteilnehmer (!), niemand richtig glauben wollte. Der Referent hatte qua Funktion als Ausbilder mehr Vertrauensbonus. Solche Aussagen gegenüber Mitbürgern ohne Feuerwehrhintergrund tragen sicherlich nicht dazu bei, das Vertrauen in die freiwillige Feuerwehr zu erhöhen.

Kontrolle, Kontrolle, Kontrolle

Rezension von Klaus Medings Neu als Brandschutzbeauftragter (mit Verlosung)

Covder des Buches "Neu als Brandschutzbeauftragter" von Klaus MedingUnd auf einmal ist der Mitarbeiter Brandschutzbeauftragter! Frisch von der Schulung zurück, weiß dieser, vor lauter Paragrafen und jeder Menge Papier, zunächst nicht, wie er in dieser Funktion am effektivsten vorgeht und Stolpersteine vermeidet. Schließlich möchte er in den Augen des Arbeitgebers und gegenüber der Belegschaft alles richtig machen. Keine Schulung bereit den Brandschutzbeauftragten auf die konkrete Realität im Unternehmen vor, damit der Start einfach läuft, sich eine Struktur herausbildet, gibt Klaus Meding in seinem Buch „Neu als Brandschutzbeauftragter“ wichtige und hilfreiche Tipps und Hilfestellungen rund um die Tätigkeit als Brandschutzbeauftragter. More

Am Anfang war das Weblog

10 Jahre Feuerwehr Weblog 2005-2015

Sind es wirklich schon zehn Jahre? Es kommt mir vor, als sei das alles, worüber wir im Feuerwehr Weblog räsoniert haben erst gestern passiert. 10 Jahre Feuerwehr Weblog (ich zähle die Zeit des FWNetz‘ natürlich mit) sind eine für Netzverhältnisse eigentlich lange Zeit. 10 Jahre Feuerwehr Weblog. Happy Birthday.

Auch wenn ich nicht von Beginn an als Autor dabei war, bin ich es gefühlt. Ich trauere manchmal der „guten alten Weblog-Zeit“ nach, denn die damalige Unbefangenheit, Neugier, Begeisterung, mit der man sich so manches Mal an ein Thema wagte, fehlt mir ein wenig. Klar, damals – das klingt jetzt so wehleidig-sehnsüchtig – war es weniger leicht an Informationen über Feuerwehrthemen im Netz zu gelangen. Die klassische, statische Feuerwehrwebsite dominierte das Netz. Von daher fand ich es selbst gut, mit dem Feuerwehr Weblog eine relativ zentrale und optisch ansprechende Plattform zu besuchen, auf der ich den Feuerwehr-Zeitgeist verfolgen und später sogar mitgestalten konnte. More

Kerosin als Waffe des Konformismus

Ray Bradburys Klassiker Fahrenheit 451 aus der Bücherkiste geborgen

when the firemen come [desktop, wide]

„When the firemen come“ by strangepuppy on flickr / CC2.0

Gibt es überhaupt noch etwas über ein Buch zu schreiben, das im gleichen Atemzug mit Huxleys „Brave new world“ oder Orwells „1984“ genannt wird? Ein Buch, über das bereits unzählige Kritiken publiziert und Interpretationen diskutiert wurden, welches sogar als dystopischer Klassiker zur Pflichtlektüre in den Schulen zählt? Ein Buch, das von bestimmten gesellschaftlichen Kreisen auch heute noch gebrandmarkt und verbannt wird!1 Kurzum, die Antwort lautet: ja! Im Grunde lässt sich die Motivation für diese Buchbesprechung mit den Worten zusammenfassen: Fahrenheit 451 ist aktueller denn je – und hat auch mit Feuerwehr zu tun. More