Panorama

Kampagne zeigt Verwundbarkeit im Verkehr

Das ist Graham. Er ist so gebaut, dass er den Zusammenprall mit Autos überleben kann. Quelle: Victoria’s Transport Accident Commission

Das ist Graham. Er ist so gebaut, dass er den Zusammenprall mit Autos überleben kann. Quelle: Victoria’s Transport Accident Commission

Was aussieht wie eine Kreatur, die einem Roman von Lovecraft entsprungen sein könnte, stellt in Wirklichkeit eine Studie dar, wie ein Mensch konstruiert sein müsste, damit er als Fußgänger einen Autounfall überleben könnte. „Graham“, so der Name der interaktiven Skulptur, wurde von einem Unfallchirurgen, einem Unfallsachverständigen und einem Künstler für eine Verkehrssicherheitskampagne in Australien entwickelt und soll die Verletzlichkeit des Menschen optisch veranschaulichen. Hierzu besitzt Graham kein Genick, das nicht brechen kann; ein flaches Gesicht, um Nase und Ohren zu schützen; Airbags um jede Rippe; eine dickere und widerstandsfähigere Haut; sowie in alle Richtungen biegbare Knie. [The Guardian | Meetgraham.com.au]

(in Vertretung für Irakli veröffentlicht)

Pokemon GO: Generationenkonflikt?

pokemon

Der Umgang mit Menschen, deren Weltansicht wir nicht teilen, ist wahrlich kein einfacher. Diese Problematik liegt auch dem Generationenkonflikt zugrunde: Wir verstehen unsere Kinder nicht, und finden das, was sie so treiben, doof und kindisch. Warum können sie einfach nicht wahrhaben, dass wir anders sind? Dass wir „damals“ anders, und natürlich besser waren? More

Je mehr Mensch, desto weniger Feuer

Vegetationsbrand

Vegetationsbrand. Bild: Gerald Vicker, U.S. Fish and Wildlife Service (Link)

Noch ein Nachtrag zum Thema Waldbrände (Abnormal ist das neue Normal; Einen Fuß immer im Schwarzen halten; @fire OSIRAS-Konzept; Waldbrandgefahr hat global zugenommen): Wissenschaftler des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT), der schwedischen Universität Lund sowie des amerikanischen National Center for Atmospheric Research in Colorado konnten nachweisen, dass der Einfluss der demografischen Entwicklung auf Feuer in Ökosystemen genauso stark wie der des Klimawandels ist. Einfach ausgedrückt: Je mehr Mensch, desto weniger Feuer. More

Die Roboter kommen – fast

Feuer-Roboter. Bild: Engineering Centre of Fire Robots Technology

Feuer-Roboter. Bild: Engineering Centre of Fire Robots Technology

Es klingt spektakulär, ja innovativ, futuristisch, wenn es heißt, dass Feuerwehrroboter das Stadion des russischen Fußballklubs Zenit St. Petersburg schützen. Dahinter steht jedoch ein neuartiges Brandunterdrückungssystem, bei dem keineswegs Schläuche schleppende Androiden zum Einsatz kommen, sondern eher „intelligente Strahlrohre“ das zielgerichtete Löschen übernehmen, wie ein Artikel auf hemmingfire.com beschreibt.

Ein im sichtbaren und infraroten Licht arbeitender Sensor am Kopf der Vorrichtung detektiert den Brand und dessen Koordinaten. Anschließend leitet die Automatik die Brandbekämpfungsmaßnahmen eine. Hierzu kann das intelligente Strahlrohr zwischen einer Durchflussrate von acht bis achtzig Litern pro Sekunde, Voll- oder Sprühstrahl und dem Abstrahlwinkel wählen. Doch nicht nur in Fußballstadien findet die Entwicklung Einsatz, sondern auch in militärischen Einrichtungen, in Häfen, in der Luft- und Raumfahrt, Konzerthallen, Lagerhäusern und auf Ausstellungsflächen.

Die Vorteile, so der Hersteller, gegenüber traditionellen Sprinklersystemen liegen auf der Hand: das Löschmittel kann zielgenau aufgebracht werden; der Löschmittelfluss ist  lang anhaltend über lange Strecke. Entstehungsbrände sollen auf diese Weise schneller gelöscht sein. Die Brandbekämpfung wird nach Verlöschen des Brandes automatisch eingestellt. [hemmingfire.com | firerobots.ru | Fachbeitrag in deutscher Sprache]

Die gefährlichsten Chemikalien der Welt

Gefahrguteinsatz

Die Arbeit in der Feuerwehr ist Physik und Chemie in der praktischen Anwendung, auch wenn Feuerwehrangehörige dies vielleicht so nicht wahrnehmen. Das Chemische beschränkt sich also nicht nur auf die Gefahrgut- und Umweltschutzzüge. Dennoch gibt es Chemikalien, mit denen wollen auch die professionellen Brand- und Umweltgefahrenbekämpfer nicht unbedingt etwas zu tun haben. Auf Spektrum.de gibt es eine kleine Zusammenstellung der zehn gefährlichsten Chemikalien der Welt, von Aflatoxin B1 über Isocyanogentetraazid bis hin zu VX. [Spektrum.de]

G26 und der BMI

Wer kennt die leidige Diskussion nicht: Als Atemschutzgeräteträger muss man sich spätestens nach drei Jahren zur arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchung nach G26.3 einfinden und viele von uns kennen den Blick (und die Kommentare) des Arztes, nachdem das Gewicht gemessen wurde. Starres Festhalten an den Aussagen des BMIs ist dann angesagt – unabhängig vom Fitness- und Körperzustand des Feuerwehrangehörigen. Im aktuellen Newsletter (Juni 2016) der HFUK Nord bin ich im Artikel „Belastung und Belastbarkeit von Atemschutzgeräteträgern. Praxistipps und wissenschaftlicher Hintergrund für die Arbeitsmedizinische Bewertung“ über folgende Aussage:

„Eine Ergometrie ausschließlich gemäß des berufsgenossenschaftlichen Grundsatzes 26 (Atemschutz) durchzuführen und sich allein auf einen Zahlenwert für Physical Working Capacity (PWC) oder Body-Mass-Index (BMI) zu berufen, reiche oftmals nicht aus, um die Eignung der Probanden für die Tätigkeit als Atemschutzgeräteträger angemessen beurteilen zu können.“

Es bleibt zu hoffen, dass, wie im Artikel erwähnt, die Untersuchungsmethodik angepasst, aber gleichzeitig die Untersuchung auch konsequent durchgeführt wird – wer objektiv nicht tauglich ist, der darf das „A“ auch nicht bekommen, auch wenn es der FF an Personal mangelt.

Brandstiftung im All

Dsaffire_mission_logoas größte, jemals von Menschen im Erdorbit erzeugte Feuer, brannte in der Nacht auf Dienstag an Bord eines zur Erde zurückkehrenden Orbital ATK Cygnus Raumfrachters. Fahrlässigkeit war dabei jedoch keineswegs im Spiel, denn das Feuer wurde bewusst gelegt, und zwar handelte sich um das SAFFIRE-I Experiment. Der Versuch soll klären, wie Feststoffe in der Mikrogravitation (sehr geringe Gravitationswirkung der Erde auf Objekte im Erdorbit) brennen und wie sich der Brandverlauf entwickelt. More

Lernpsychologie und zu schnelles Fahren

Eigentlich wollte ich mich zu dem Thema („Offenburger Feuerwehrmann wird auf Weg zu Einsatz geblitzt – und muss Strafe zahlen“) nicht äußern, denn das wird ohnehin gerade totdiskutiert und mit Sachlichkeit kommt man in dieser emotionalen Kakofonie ohnehin nicht weit. Allerdings bin ich in den FUKnews 1/2016 (Link) – unabhängig von obiger Sache – auf einen Leitbeitrag („Sicherer Übungs- und Schulungsdienst“, S. 4-5) gestoßen, dessen Implikationen man durchaus in die genannte Diskussion einstreuen sollte. Es geht im Grunde um Gefahrenwahrnehmung. Eine Studie fand heraus, dass der Großteil der Unfälle bei jenen Tätigkeiten passiert, dessen Gefahren zuvor subjektiv unterschätzt wurden. Dies erklärt sich daraus, dass unsere Gefahreneinschätzung durch Erfahrungen und Lernvorgänge und deren Konsequenzen geprägt wird.

„Wenn etwas Positives passiert, wir also z. B. für eine Arbeit gelobt werden, ist es wahrscheinlich, dass wir das Verhalten wieder zeigen, und wenn etwas Negatives passiert, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass wir das Verhalten nicht mehr zeigen. Dies scheint klar zu sein. Was aber passiert, wenn wir etwas Positives nicht bekommen, obwohl wir es erwartet haben oder etwas Negatives nicht bekommen, obwohl wir damit hätten rechnen müssen? Im ersten Fall sinkt die Wahrscheinlichkeit für unser Verhalten: Wir haben uns z. B. für eine Arbeit angestrengt und erwarten ein Lob hierfür – es bleibt aber aus. Wir werden uns beim nächsten Mal eher nicht mehr so sehr anstrengen. Im zweiten Fall steigt die Wahrscheinlichkeit für unser Verhalten:  Wir haben gegen eine Sicherheitsregel verstoßen – sind z. B. zu schnell gefahren oder haben ohne PSA (Persönliche Schutzausrüstung) gearbeitet. Eigentlich hätten wir hierfür eine Strafe erhalten müssen – sie bleibt aber aus. Wir werden beim nächsten Mal eher wieder zu schnell fahren oder ohne PSA arbeiten. Wir verstoßen gegen eine Sicherheitsregel, es passiert aber nichts Negatives, sondern unser Verhalten ist erfolgreich. Dies „verstärkt“ unser Verhalten, so dass wir es beim nächsten Mal genauso handhaben und beim übernächsten Mal und beim überübernächsten Mal usw. Letzten Endes führt dies dazu, dass wir die Situation bzw. Tätigkeit für ungefährlich halten, und wir beginnen, uns weniger zu schützen und der Tätigkeit weniger Aufmerksamkeit zuzuwenden.“ („Sicherer Übungs- und Schulungsdienst“ in FUKnews 1/2016,  S. 4-5)

Aber genau das ist doch die Sache im Fall des geblitzten Feuerwehrangehörigen: Straße gerade, augenscheinlich übersichtlich, in der Vergangenheit nix passiert; Also schnell fahren und in falscher Sicherheit wiegen. Routine eben. Es geht aber nicht nur darum, schnell am Feuerwehrhaus zu sein. Es geht darum sicher zu fahren, selbst unverletzt zu bleiben und keine Gefahr für andere darzustellen. Einfach mal über die lernpsychologischen Zusammenhänge nachdenken. Ich schätze mal, dass jeder von uns in dieser „Routinenfalle“ gefangen ist.

Mit 70 noch bei der Feuerwehr

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Löschen – Retten – Bergen – Schützen. Die Aufgaben der Feuerwehren sind vielfältig. Diese Aufgaben nehmen jedoch zu und müssen mit immer weniger Personal bewältigt werden.

Wir werden alle nicht jünger und die Personalsorgen bei den Feuerwehren größer. Bei deutschen (freiwilligen) Feuerwehren ist spätestens mit 67 Jahren (Werkfeuerwehren; Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern) Schluss mit dem aktivem Feuerwehrdienst, gleichwohl es in einzelnen Bundesländern Ansätze gibt, sich die Schaffenskraft „der Alten“ zu erhalten („65+“ in Baden-Württemberg). In Kärnten/Österreich will man sich das Wissen und auch die Tagesalarmverfügbarkeit der älteren Feuerwehrleute nun dadurch sichern, indem man das Höchstalter für die Dienstzeit auf 70 Jahre erhöht und die alten Kameraden in den Status eines Reservisten erhebt – sofern die medizinischen Voraussetzungen bestehen. Bisher war in Kärnten mit 65 Jahren Schluss. Kärnten zieht mit dieser Regelung übrigens nach, denn in anderen österreichischen Bundesländern ist Dienst bis 70 inzwischen gesetzlich erlaubt.*  [orf.at Link 1 ORF Link 2] More