Der PA Mann

In loser literarischer Anlehnung an The Umbrella Man (wirklich spannendes Thema!) taucht bei VU-Einsatzbildern aus Schweden The SCBA Man bzw. Der PA Mann eigentlich immer auf. Genau hinschauen, er wird jedes Mal zu finden sein (hier ist ein Beispiel). Da dort alles auf Staffel ausgelegt ist, darf der PA-Mann auch richtig ran. Strahlrohr oder PG wird stehen gelassen, und er hilft bei diesem und jenem mit. Unter PA wahrlich kein Zuckerschlecken – wenn auch nicht angeschlossen.

Klar, wir lernen das auch, mit dem Brandschutz bei VU. Aber gleich PA aufziehen? Machen auf Anfahrt die wenigsten, behaupte ich mal. Oder etwa doch? Und wer hat das schon mal geübt? Ich finde das Prinzip Klasse, und sollte eigentlich auch gelebt werden.

Und noch ein prima kleiner Tipp nebenher – wenn Patient und PKW die Einsatzstelle getrennt verlassen, vielleicht noch schnell einen Blick in das Handschuhfach werfen, dort können mitunter wichtige Dokumente oder Wertgegenstände sein. Die Chance auf eine Wiedervereinigung mit dem Besitzer ist deutlich höher, wenn die Habe beim Abtransport dem Rettungsdienst (oder Pol) mitgegeben wird als wenn sie im Fahrzeug bleibt. Eigentlich logisch, aber zugegebenermassen nie dran gedacht.

(Bild: Vorführung Kettenzug Katrineholm, Schweden)

 

Helmlampen: Hirsch oder Einhorn?

Beim Katastrophenschutz gab es sie zu Zeiten des kalten Krieges auf vielen Fahrzeugen: Helmlampen, die man an einer kleinen Einschiebelasche vorne am Helm befestigen konnte. Den Batteriekasten in der Größe einer überdimensionierten Butterbrotdose hängte man sich mit einem Lederriemen um die Schulter. Technisch gesehen handelte es um Grubenlampen, die man – wenn überhaupt – geringfügig modifiziert hatte: Schwer, unkaputtbar, mehrere Stunden Leuchtdauer, Ex-Schutz und unfassbar teuer.

Die Lampen sind irgendwann verschwunden, der Wunsch nach einer „persönlichen Umfeldbeleuchtung“ aber nicht. Bei der Feuerwehr haben sich dafür die seitlich angebrachten Helmlampen durchgesetzt, die mit oft wackeligen Konstruktionen am Helmrand angedockt werden.

Mich haben diese Lampen immer gestört: Meistens leuchten Sie nach oben, unten oder hinten, aber eigentlich nie dahin, wo ich das Licht gerade benötige. Bei Nullsicht-Übungen bleibt man auch mal gerne mit dem Helm im Leinengewirr hängen – bei der Übung nervig, im Ernstfall potentiell lebensgefährlich. Und nach langen Einsätzen gibt es dann noch einen steifen Nacken, weil selbiger die ungleichmäßige Gewichtsverteilung auf dem Kopf nicht gewohnt ist.

In den letzten Jahren sind als Alternative vier Lampenmodelle auf den deutschen Markt gekommen, bei denen die Lampe vorne am Helm angebracht wird: Im Spätsommer 2010 die UK Vizion ATEX und 2011 dann die Petzl PIXA in drei unterschiedlichen Ausführungen. Alle sind EX- und spritzwassergeschützt.

Links UK Vizion ATEX, rechts Petzl PIXA 3

Links UK Vizion ATEX, rechts Petzl PIXA 3

Die Befestigung am Helm erfolgt bei allen Modellen mittels eines starken Gummibandes. Dieses hält wider Erwarten auch am klassisch, konisch geschnittenen Feuerwehrhelm bombenfest. Ein am Helm angebrachtes Visier kann natürlich nur benutzt werden, wenn die Lampe vorher abgezogen wird. Hat mich die letzten 100 Einsätze aber nicht gestört. Je nach Helm deckt das Gummi eventuell Reflektoren oder Helmkennzeichnungen ab.

Die UK Vizion ATEX liegt zurzeit bei einem Straßenpreis von etwa 35 EUR. Kurz gesagt: Eine günstige und leichte Lampe, an der es nicht viel zu meckern gibt. Leuchtstärkenverstellung und Streuscheibe kann man getrost vergessen: Die sind nutzlos oder haben keinen nennenswerten Effekt. Die Leuchtstärke ist akzeptabel.

Die Petzl PIXA wird gleich in drei Varianten angeboten. Alle haben gemeinsam, dass das Gummiband zur Helmbefestigung separat erworben werden muss (ca. 8 EUR). Der Straßenpreis liegt je nach Modell zwischen 26 und 56 EUR. Die PIXA 1 liegt dabei mit der Vizion ungefähr gleich auf, allerdings bei drastisch längerer Batterielaufzeit. Bei der PIXA 2 kann ein gerichteter Strahl zugeschaltet werden, bei der PIXA 3 fällt dieser noch einiges stärker aus.

Empfehlen kann ich abhängig vom Verwendungszweck eigentlich alle Modelle, die meisten dürften aber mit der PIXA 2 am besten bedient sein. Ist der Geldbeutel schmal, würde ich zur leichteren Vizion tendieren.

Petzl PIXA-Serie auf der Hersteller-Webseite
UK Vizion ATEX auf der Hersteller-Webseite

Hallo, ich bin ein Hydrant und alleine

Kleiner Nachtrag zu den (G)TLF in Dänemark – das sind die „Öltanker“ mit eingeschobener TS, oder wie kriege ich günstig viel Wasser an die Einsatzstelle? Zwar ein Extrembeispiel was den Zustand des Hydranten betrifft, aber stellen wir fest: a) viel Wasser kommt da nicht raus (1 Abgang B) und der nächste Kollege ist ca. 800m weiter entfernt. Da bringt man doch viel lieber selbst was mit, oder erschliesst weitere Quellen, beispielsweise offene Gewässer oder Zisternen.

 

Einsturz während Rettung

Im südrussischen Astrachan kam es in einem Plattenbau zu einer Gasexplosion in einem der unteren Stockwerke. Ein Teil des Gebäudes wurde dabei zerstört.  Während der ersten Rettungsarbeiten durch Ersthelfer stürzte das komplette neunstöckige Gebäude ein.

Mindestens 10 Menschen kamen ums Leben, etliche weitere wurden verletzt. Die Explosion soll nach ersten Angaben durch einen Bewohner ausgelöst worden sein, der Selbstmord begehen wollte.

Im zweiten Video sieht man, wie mehrere Menschen von den Ersthelfern vor dem eigentlichen Einsturz aus den Trümmern gerettet werden konnten, darunter auch ein kleines Mädchen.

Ria Novosti

Üben mit Uran

Sagte ich Uran? Pardon, ich meinte Uranin. Aber danke für Eure Aufmerksamkeit!

Bis auf die giftgrüne Farbe mancher Uranverbindungen hat Uranin (auch Fluorescein-Natrium) nicht viel gemeinsam mit seinem radioaktiven Namensverwandten: Es ist ungefähr so giftig wie Streusalz, frei erhältlich, erheblich günstiger und man kriegt auch keinen Ärger mit der CIA, wenn man es im Spind bunkert.

Ein Staubkorn Uranin reicht aus, um das Glas Wasser intensiv einzufärben. Unter UV-Licht leuchtet die Lösung deutlich auf (rechts).

Was Uranin für Feuerwehrübungen so interessant macht: Selbst kleinste Mengen können unglaubliche Mengen Wasser färben. Schiffe führen 500g-Packungen an Uranin mit, um damit im Notfall 4000qm Meeresoberfläche einzufärben.

Dachdecker suchen auf diese Weise z.B. Lecks in Flachdächern, Bauämter prüfen, ob das angeblich verrieselte Regenwasser vom Dach nicht doch in der Kanalisation landet und in der Altbergbauforschung verwenden wir es gelegentlich , um zu erkunden, ob eigenstürzte Grubenbauten einmal miteinander in Verbindung standen. Betrunkene Iren färben damit jedes Jahr den Chicago River für einige Stunden grün und Chemiestudenten färben mit dem Zeug ihre Sylvesterbowle. OK, ich schweife ab.

Bei der Feuerwehr lässt sich Uranin wegen seiner Färbekraft gut zum Üben der Löschwasserzurückhaltung einsetzen. Auch zur Darstellung von GSG-Lagen eignet es sich. Hier wird es besonders spannend, da sich mit etwas Wasser und Schwarzlicht (Geldscheinprüfer) sehr gut eine mangelnde Dekontamination oder auch eine Kontaminationsverschleppung zeigen lässt.

Saubere Hand? Von wegen! Etwas Wasser macht die Uranin-Kontamination sichtbar. Real und mit Schwarzlicht noch wesentlich beeindruckender.

100g Uranin kosten im Versandhandel ca. 20 EUR – das reicht für viele, viele Übungen. Bei größeren Mengen ist eine Absprache mit der unteren Wasserbehörde hilfreich, sonst könnte es sein, dass Euch das hier passiert. Laut Literatur genügen bereits 1g pro 100 Kubikmeter Wasser für eine sichtbare Färbung, also Vorsicht.

Sicherheitsdatenblatt
Uranin bei Wikipedia

 

Hilfeleistungsfrist, Hindernisse

Bei Einsätzen kann man sich das Wetter logischerweise nicht aussuchen, bei Übungen eher schon. Heute das tatsächliche vergnügen gehabt, hier im hohen Norden eine Übung abzuhalten – das Ganze bei einem Schneesturm, der die Locals sogar zum Fluchen brachte. Also: mit -3° nicht superkalt, aber ziemlich feucht und sehr starkem Schneefall . Nach ca 10 Minuten war alles frische, am Boden abgelegte Gerät mit Schnee zugedeckt.

Ich fand’s ganz ehrlich absolut interessant. Technisch sehr hohe Anforderung an das Gerät, beispielsweise ist alles, was eine Membran hat (Druckminderer, Steuregerät), ausgefallen. Kupplungen, usw. waren sofort zu und mussten freigekratzt oder -geblasen werden.

Hohe Anforderung auch an PSA – an den Händen waren Elche leider unbrauchbar, THL-Handschuhe zu dünn. Alle händeklatschend durch die Gegend gelaufen, um dem Ganzen Leben einzuhauchen.

Die Sicht war teilweise so schlecht, dass man nur blinzeln konnte.

Alles in Allem eine Extremsituation, aber eine absolut lehrreiche, und damit die ganz große Empfehlung, auch mal in solchen zu üben. Bei uns wäre das beispielsweise in der Dunkelheit bei Starkregen im Herbst oder Frühling. Erstaunlich wie anders Dinge ablaufen, die ansonsten in der Halle oder bei Schönwetter kein Problem sind.

Bei diesem habe ich so meine Zweifel, dem Gefühl nach werden wir immer mehr zur Schönwetterfeuerwehr. Oder?

INSARAG wird 20

Acht Minuten Zeit über? Dann unbedingt dieses Video angucken (via Jan auf Facebook gefunden). Hier wird die Geschichte und die Funktionsweise der INSARAG anschaulich dargestellt. Kurzum, es geht um die Vereinheitlichung der Rettunsarbeiten nach Naturkatastrophen.

Wie man sieht, ist es ein wenig mehr als eben mal ein Paar Betonplatten zu durchbohren. Ein internationaler Einsatz stellt höchste Anforderungen nicht nur an die Fähigkeiten jedes Teammitglieds, sondern auch an das Team in diesem Umfeld.

@fire ist Mitglied der INSARAG.

 

Ein Unimog auf Abwegen (II)

Die Lücke schliesst sich. Nach Hinweisen von Christian sowie Christoph auf diese Seite bei Jürgen Schwartz Feuerwehrtechnik wissen wir nun, wie das Ding nach Kanada gekommen ist. Hintergrund ist ein Gespräch mit Jürgen Schwartz, der auch freundlicherweise das Bild oben zur Verfügung gestellt hat.

Schwartz kaufte den Unimog von der Feuerwehr Lage. Der jetzige Besitzer, ein Kanadier auf Touren mit der Familie, wollte ein „Upgrade“ des nunmehr zu klein gewordenen Mercedes G – den Unimog machte er im Internet ausfindig.

Laut Schwarz war der Export nicht ganz ohne, einerseits Papierkram, andererseits technisch: beispielsweise mussten die Trittbretter abgeflext werden und wurden drüben wieder montiert. Zusammen mit dem Unimog wurde auch ein ehemaliger BW-Anhänger verschifft.

Der Unimog ist wohl einer von zweien, die zusammen nach Kanada gingen. Dieser eben nach Vancouver, der andere eher im Osten.

Jetzt fehlen nur noch Infos von der FF Lage, sowie vom aktuellen Besitzer. Sind dran.

Bisher:

Schweres Gerät

(cl). Wie auch in anderen Gegenden rund ums Mittelmeer hat es Mitte Februar auf der französischen Insel Korsika geschneit. Im Verwaltungsbereich Haute-Corse sogar nicht zu knapp.  Um die eingeschlossenen Menschen und Tiere in eigentlich unzugänglichen Gebieten zu versorgen setzten die Sapeurs Pompier Haute-Corse (SDIS2B) eine Einheit ein, die eigentlich für die Waldbrandbekämpfung angeschafft wurde.

Ein ausgedienter M113-Transport-Panzer wurde entmilitarisiert, rot lackiert und mit allerlei feuerwehrtechnischem Gerät bestückt. Hier findet man eine (französische) Beschreibung der Projekts MINCA inklusive Video.