Rezension von Lagefeststellung und Lagedarstellung aus der Reihe Technik – Taktik- Einsatz.

Kompetenz erlangen Einsatzkräfte, indem sie das, was sie gelesen haben, im Training umsetzen oder im Nachgang zu einem Einsatz anwenden. Das schreiben die Autoren Bernhard Horst und Martina Rehbein im Buch „Lagefeststellung und Lagedarstellung“ zu Beginn. Die Aufgaben des S2 sind umfangreich und bedürfen des fortgesetzten Trainings.

Eines vorweg: Der Rezensierende arbeitete niemals in einem Stab und überschritt in einer früheren Tätigkeit die Führungsstufe A nicht. Deshalb war das Thema das Buches Neuland. Allerdings erklären die Autoren die Aufgaben des S2 in Abgrenzung zu anderen Stabsfunktionen derart, dass ein Anfänger das Thema sehr gut versteht und auf diesem Wissen aufbauen kann.

Die Gliederung

Das Buch gliedert sich in die Abschnitte „Grundlagen“, „Lagefeststellung“, „Lagedarstellung“, „Information“, „Einsatzdokumentation“, „Lagemeldungen – Beispiele“.

Die Autoren beschreiben die Grundlagen, Strukturen und wesentliche Begriffe sowie die Unterschiede in den vier Führungsstufen. Sie grenzen die Aufgaben des S2 von denen der anderen Stabsfunktionen ab und zeigen Überschneidungen auf. Dass ein Stab nicht bloß kurzfristig bestehen muss, zeigen die Autoren am Beispiel der gegenwärtigen Pandemie.

Der S2

Die Funktion S2 entspricht im Führungskreislauf nach FwDV 100 dem Erkunden. Hauptaufgabe ist die Informationsbeschaffung. Hierzu stellen die Autoren verschiedene Informationsquellen dar und erklären ihre Informationsrelevanz. Aufgabe des S2 ist es grundsätzlich alle Informationen im Sinne der Güte zu bewerten und widersprüchliche Informationen aufzulösen. Die Tätigkeit ist anspruchsvoll, denn das Dynamische, die Lage, ist statisch darzustellen. Zusätzlich sind die nötigsten Daten zu verarbeiten, denn die Lagedarstellung hinkt dem realen Einsatzgeschehen bedingt durch den Meldungsverzug zeitlich hinterher. Das bedeutet, die Antizipation von Lageentwicklungen ist eine der Grundaufgaben des Stabes und des S2.

Die permanente Dokumentation gehört ebenfalls zu den Aufgaben. Hierzu geben die Autoren Beispiele, wie zu dokumentieren ist.

Die Psychologie

Interessant sind die Ausführungen zu den Räumlichkeiten, da die Autoren ausführlich auf die Nachteile von rein formalistisch-funktionalen Stabsräumen eingehen. Im Sinne der „Narrative Environments“ ist der Raum selbst Akteur, da sich die Wahrnehmung der Arbeitsumgebung auf die Arbeitsleistung auswirkt. Nicht irrelevant ist der wahrnehmungspsychologische Verweis auf den Einsatz von Farben und Formen, die die Arbeit des Stabes beeinflussen.

Die Kritik

Horst/Rehbein erklären die Systematik der taktischen Grundzeichen, stellen aber fest, dass es trotz eines bestehenden einheitlichen Vorschlags für taktische Zeichen in der Praxis erhebliche Unterschiede, insbesondere organisationsübergreifend gibt.

Die sozialen Medien

Ebenfalls spielen die sozialen Medien eine Rolle. Neben der Information der Bevölkerung über aktuelle Ereignisse dienen diese Medien dem Stab und hier dem S2 als Quelle der Information. Für die Beobachtung ist ein VOST (Virtual Operation Support Team) einzurichten. Zwar ist dieses nicht bei jedem Ereignis notwendig, das Wissen, dass es entsprechende Organisationsempfehlungen existieren, sollte vorhanden sein.

Fazit

Mit „Lagefeststellung und Lagedarstellung“ liegt ein Buch vor, dass sowohl aktuelle Ereignisse wie die Pandemie der Jahre 2020f. als auch gesellschaftlich-technologische Entwicklungen wie die Bedeutung der sozialen Medien aufgreift und mit den Grundsätzen der Arbeit des S2 verbindet.

Bibliografische Daten

Horst, Bernhard, Martina Rehbein: Lagefeststellung und Lagedarstellung: Aufgaben im Sachgebiet 2 – Lage: Arbeiten in den verschiedenen Führungsstufen. Aus der Reihe Technik – Taktik – Einsatz. Landsberg: ecomed Verlagsgesellschaft 2021. 182 Seiten; 24 cm, 455 g, Broschiert; ISBN 978-3-609-77544-9, Bestellnummer 60977544, EAN 9783609775449; EUR 39.99.-