Rezension von Christof Lindes und Bernd Dittrichs Biogasanlagen

fwfw_bgaMit der 2011 eingeleiteten Energiewende und der zunehmenden Verknappung fossiler Brennstoffe gibt es in Zukunft vermehrt Anlagen alternativer Energieerzeugung in Deutschland, wie z.B. Biogasanlagen. Auf diesen Faktor müssen sich die Feuerwehren einstellen und sich mit den Technologien auseinandersetzen. Christof Linde, Dozent an der hessischen Landesfeuerwehrschule und Bernd Dittrich, Leiter der Continental-Werksfeuerwehr, legen mit dem Heft „Fachwissen Feuerwehr: Biogasanlagen“ einen kompakten und leicht verständlichen Überblick über Biogasanlagen vor.

Ziel

Linde und Dittrich sprechen mit dem 112-seitigen Buch gezielt Einsteiger in die Materie, aber auch Angehörige anderer Hilfsorganisationen wie auch Betreiber von Biogasanlagen an, um diesen eine gute Vorbereitung für den Umgang mit möglichen Fehlfunktionen einer solchen Anlage an die Hand zu geben. Ziel der Autoren ist es Informationslücken bei Feuerwehrleuten hinsichtlich Funktion, Gefahren und Taktik zu schließen, ohne Musterlösungen zu bieten.

Technik, Aufbau und Gefahren

Zunächst beschreiben die Autoren die chemische Zusammensetzung von Biogas, um sich dann dem Entstehungsprozess und der Funktionsweise und dem grundsätzlichen Aufbau der Anlage zu widmen. Diese Darstellung bildet die Grundlage für die Beschreibung möglicher Störfallrisiken, welche die Autoren in fünf Kategorien eingliedern: Austreten giftiger Gase, Bildung explosiver Gasgemische, Austreten wassergefährdender Stoffe, Elektrizität und natürlich Feuer. Anhand von realen Beispielen und ihren Folgen zeigt das Autorenduo die reellen Gefahren. In einer Folgeauflage zu berücksichtigen wäre der Quellenverweis auf die genannten Einsätze, damit diese im Rahmen der Ausbildung als Analysebeispiele herangezogen werden können.

Einfach „Abschalten“ ist nicht

Für die Feuerwehr wichtig zu wissen sind neben der Funktionsweise der Anlagen die vorhandenen Sicherheitseinrichtungen, die jedoch, das betonen die Autoren mehrfach, die in der Anlage stattfindenden biologischen Vorgänge nicht unmittelbar unterbrechen können. Die Feuerwehr muss sich also bewusst sein, dass mit dem Ausschalten der Anlage, noch immer Gas produziert wird.

Einsatzvorbereitung ist das A und O

Wichtige Weichenstellungen für den erfolgreichen Einsatzablauf müssen im Vorfeld getroffen werden. An dieser Stelle ist der Betreiber gefordert, der, so die Autoren, obwohl der Betriebssicherheitsverordnung unterliegend, nicht immer die gebotene Sorgfalt zeigt. „Somit ist bei den meisten Biogasanlagen weiterhin mit erheblichen Gefährdungen zu rechnen.“ (S. 40). Je nach Größe der Anlage gibt es unterschiedliche Auflagen und Genehmigungsverfahren, allen gemein ist jedoch der Zwang zur Vorhaltung eines Alarm- und Gefahrenabwehrplanes.

Eingeleitet durch die Grundlagen des Explosionsschutzes leiten Linde und Dittrich über zu Gefahrenabwehrplänen und der Einsatzvorbereitung. Die Autoren betonen, dass ein Feuerwehrplan nicht zwingend vorgeschrieben ist, im Gegensatz zum Brandschutzkonzept, gleichwohl ein Feuerwehrplan im Störfallszenario wichtige Informationen in kurzer Zeit bieten könnte. Hierzu präsentieren die Autoren ein Musterfeuerwehrplan, der, so die Autoren, nach DIN 14095 leider das Thema Explosionsschutz weitgehend ausklammert.

Vorliegen verschiedener Gefahren- und Risikogruppen

Da es unterschiedlichste Anlagentypen gibt, empfehlen die Autoren ein striktes Vorgehen nach FwDV 100 und 500. Sie betonen, dass eine umfangreiche Gefahrenanalyse durchzuführen ist, auch vor dem Hintergrund, dass Biogasanlagen in verschiedenen Gefahren- und Risikogruppen einzuordnen sind. Biogasanlagen sind trotz aller Sicherheitsvorkehrungen hochkomplexe Systeme mit einem multipolaren Gefahrenspektrum, die das Stichwort „Gefahrguteinsatz“ durchaus rechtfertigen (aus Sicht des Rezensierenden). Hieraus leiten sich dann Themen wie umluftunabhängiger Atemschutz und Dekontamination ab.

Raster für bestimmte Gefahrentypen

Linde/Dittrich geben ein grobes Handlungsraster für verschiedene Typen der Gefahrenabwehr, wie z.B. Gasaustritt, Explosionsgefahr, Wassergefährdung, an, die sie einer genaueren Beschreibung unterziehen. Sie erklären anhand der Gefahrenmatrix die vorliegenden Gefahrentypen und geben Vorschläge für taktische Maßnahmen.

Fazit

Christof Linde und Bernd Dittrich bieten ein informatives Einstiegsheft über Biogasanlagen, das in kurzen Kapiteln das Wesentliche in puncto Aufbau, Gefahren und Taktik wiedergibt. Sie verzichten auf komplexe (technische) Details zugunsten einer breiten Darstellung des Sachverhaltes. Besonders positiv hervorzuheben ist die konsequente Analyse unter Zuhilfenahme der Gefahrenmatrix, die einen möglichen Störfall beherrschbar erscheinen lässt, trotz der anlagentechnischen Komplexität.

Bibliografische Angaben

Christof Linde, Bernd Dittrich: Biogasanlagen. Anlagenbeschreibung – Ex-Gefahren – Atemgifte – Elektrische Gefahren – Gewässergefährdung – Einsatzbeispiele. Aus der Reihe: Fachwissen Feuerwehr. 1. Auflage, Heidelberg, München, Landsberg, Frechen, Hamburg: Verlag ecomed Sicherheit 2013. 112 Seiten; 14,8 x 19,0 cm; Softcover; graph. Darst.; ISBN 978-3-609-68446-8; EUR 11,95.-

Siehe auch

Neue Technologien – Neue Herausforderungen. Neues Buch: „Standard-Einsatz-Regeln: Einsatz bei Photovoltaik-, Windenergie- und Biogasanlagen“