USA

Übungsgelände Guardian Centers

Ja, es ist ein Werbefilm, und weil USA, recht pathetisch. Aber weil eben in den USA, ist/ sind der Guardian Centers das was er ist: absoluter Wahnsinn. Übungsmöglichkeiten ohne Ende für Zivilschutz, Feuerwehr, Polizei, Militär usw. inklusive einem ganzen Dorf unter Wasser und eine U-Bahn-Station. Leider gibt unsere fragmentierte Europäische Volkswirtschaft so etwas nicht her. Nicht, dass wir keine guten Übungsgelände hätten*, aber nichts in dieser Größenordnung. Drüben gibt’s übrigens immer noch Disaster City.

*Ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Europäische A-Liga: Moreton-in-Marsh, Lincolnshire, Tritolwerke, Pisa, Madrid, SRTC, Tinglev

Koexistenz mit dem Feuer

Zum Thema Vegetationsbrand bin ich auf einer englischsprachigen Seite auf einen recht interessanten Artikel mit Bezug auf eine Studie der University of California gestoßen, dessen Grundaussage ist, dass Vegetationsbrände rund um bestimmte amerikanische Wohngebiete nicht verhindert werden können, sondern die Menschen lernen müssen, mit dem Feuer zu koexistieren.

“But fire, unlike other natural hazards, is still widely considered an enemy to be defeated, rather than a fact of life that must be accepted.” (Newyorker.com)

Das Thema, so die Studie, wir grundsätzlich falsch angegangen, wenn man sich andere Naturkatastrophen anschaut.

“To reduce flood damage, we make floodplain maps. To reduce earthquake damage, we form earthquake commissions. When it comes to fire, we hand everything over to the firefighters.” (Newyorker.com)

Bisher, so die Studie weiter, würden die Ressourcen vollkommen falsch eingesetzt und bestehende rechtliche Werkezuge nicht benutzt. Insbesondere kritisieren die Feuerökologen, dass das Entfernen von Brennstoff, also abgestorbenen Bäumen etc, das Gegenteil von dem bewirkt, was erreicht werden soll.

“(…) fuels-reduction efforts may increase risks to life and property by encouraging development in fire-prone areas. […] Land-use regulations like those that govern floodplains, the authors say, could restrict development in the most dangerous areas, and building codes requiring fire-resistant materials could reduce damage to existing structures”. (Newyorker.com)

[Gizmodo | Newyorker.com | Nature.com]

Innenangriff: Spannendes Video

Philadelphia News, Weather and Sports from WTXF FOX 29

Über die „CBFT“ Gruppe auf Facebook auf dieses Video aufmerksam geworden. Ich find’s in vielerlei Hinsicht extrem interessant. In Kürze:

  • Über „Smoothbore“ (=glattes Rohr) mag man streiten (ich finde die gut), aber ich halte viel von sehr viel Wasser in kurzer Zeit mit großer Wurfweite
  • Man beobachte die Rauchentwicklung bei Eintreffen und bei den Löscharbeiten
  • Ich glaube nicht, dass oben viel zur Rauchgaszündung gefehlt hat
  • Überlegung: Evtl. ein wenig mehr Zeit von Außen nehmen, und einen Lüfter im Rücken – auf die Gefahr der Zündung im 1.OG, wäre aber abzuwägen
  • Das Feuer dürfte recht „frisch“ gewesen sein – es war kein großer Aufwand nötig, um Feuer Aus zu bekommen

Noch was?

[Link zum Artikel]

Zweiteilige Schiebleiter (2)

Hier relevant: ab 01:30.

Schönes Video gespickt mit interessanten Dingen. Ich nehme mal die Diskussion bzgl. der zweiteiligen Schiebleiter wieder auf (ging hier los) und behaupte weiterhin, dass es eine Katastrophe ist, dass sie nicht mehr mitgeführt wird. Ob sie in welchen Normen (nicht mehr) geführt wird, können wir hier nicht lösen.

Die These (Stand November 2013): eine zweiteilige Schiebleiter ähnlich der US-Amerikanischen – wie im Video reicht für 90% der Anleitervorgänge hierzulande aus (bis 1,5. Stock). Hat zwei immense Vorteile:

  • Ist alleine zu setzen
  • passt immer (drei Sprossen Überstand?)

Ich weiss, unsere zweiteilige – insofern überhaupt noch vorhanden – ist wesentlich schwerer, länger – aber da sie eh „raus“ ist, hätte man die Chance, hier neu anzufangen.

Wie gesagt: das Video zeigt eine Aktion, für die wir hierzulande wesentlich mehr Personal benötigen. Und andere nicht uninteressante Dinge: wer von Euch hat einen Hook an Bord?

Wir und die (Gefahren an der Einsatzstelle)

In unserer alltäglichen Gefahrenmatrix fehlt – gottseidank – noch ein „G“. Das G steht für „Geiselnahme“. Genau dieses passierte nämlich der Besatzung einer Engine im US-Amerikanischen Suwanee: als sie eintraf, wurde sie vom Hausbesitzer kurzerhand als Geisel genommen.

Daraufhin stürmte ein Einsatzkommando der Polizei das Haus, im Feuergefecht wurde der Geiselnehmer getötet. Soweit, so (nicht) gut. Was die Kameraden da durchmachen mussten, war ganz sicher genau das Gegenteil eines Sonntagsspaziergangs. Ich hoffe, sie kommen auch im Kopf unbeschadet davon.

Dass dieses Ende vielleicht unvermeidbar war, kann man aus der Ferne nicht beurteilen. Darum geht es nicht. Worum es viel mehr geht, sind, einfach gesagt, die Reaktionen.

Während die Kommentare im oben verlinkten Artikel noch recht verhalten sind, geht’s auf der Facebook-Seite von Fire Engineering eher zur Sache. Ein Auszug:

Good for that A**hole
Good riddance
He deserved it stupid bastard
Justice served at the low cost of a bullet vs long drawn out trial and appeals

Nur um einige zu nennen. In der Annahme, einige der Kommentatoren sind oder stehen Feuerwehrleute nah: wären die Reaktionen bei uns auch so? Ich hoffe mal nicht.

Huch! (Fahrzeug richtig platzieren)

Zwei interessante Aspekte.

Der eine ist etwas mehr offentsichtlich und erinnert daran, dass es unter Umständen nicht schaden kann, ein brennendes Fahrzeug generell einzukeilen und nicht in Schussrichtung zu parken.

Der andere: Magerer Löscherfolg mit Wasser. Amistrahlrohr bei 400-500l/min? Schon deutlich mehr Energie zu binden als bei einem PKW-Brand, und bei Fahrzeugen generell gleich Schaum beimischen kann nicht schaden.

(Gefunden auf Facebook via Nikolas)

Sicher? Ganz sicher?

Manchmal geht’s dann doch zu weit. Die Rede ist vom Sicherheitsdenken, und zwar in Bezug auf uns selbst im Einsatz. Klar, insgesamt passen wir mehr auf und selbst auf als früher. Beispiele: für Brand geeignete PSA, Absturzsicherung, Notfallkonkzepte usw.

Wo ist aber die Grenze, die uns an der Arbeit hindert? Man stelle sich vor, die BG, GuV, FuK, Gewerkschaft – oder wer auch immer – bekommt so viel Gewicht, dass wir unser Handeln fünf mal überdenken und uns gegen den Einsatz entscheiden. Umgekehrt: wir ziehen das durch, retten, und werden dafür bestraft? Undenkbar?

Hier drei Beispiele, die einem schier zur Verzweiflung bringen:

  • In den USA wird ein Rettungsschwimmer gefeuert, weil er eine Rettung ausserhalb seines zugewiesenen Abschnitts durchführte
  • UK (1): Mann liegt mit Gesicht nach unten in Kanal, ca. 5m Böschung. Nach einem „Risk Assessment“ entscheidet sich der GF gegen einen Einsatz. Zig Rettungsmannschaft steht herum bis die Wasserrettung aus 50 Meilen Entfernung anrückt
  • UK (2): Ähnliche Geschichte: Mann liegt in seichtem Gewässer, Feuerwehr hat nach eigener Aussage nicht die erforderliche Ausbildung, Rettung wird nicht durchgeführt, auch hier verstirbt der Patient

Bei den UK-Unfällen siehe man sich die Bilder an. In beiden Fällen zweifele ich keinen Augenblick daran, dass eine Freiwillige Feuerwehr hierzulande die Rettung durchgeführt hätte.  Für die Berufsfeuerwehren kann ich keine Aussage treffen, dürfte allerdings ähnlich liegen.

Klar, müssen wir eigene Gefährdung abwiegen. Diese Entscheidung muss aber weiterhin im Ermessen des Einsatzleiters liegen, und nicht durch Drohszenarien oder einem gefühlten Druck durch die „Arbeitssicherheit“ gar nicht erst getroffen werden. Es muss auch von jeder Feuerwehr erwartet werden können, dass sie „einfache“ Aufgaben, erfüllen kann, und im Falle der Menschenrettung geht das immer vor.

Was keinesfalls passieren darf: drei-vier-und zugfache Absicherung (Arbeitssicherheit etc) und dann immer noch so eine Haftungs-Drohkulisse im Rücken haben, dass man sich gar nicht mehr traut.

Wie gesagt, nicht immer einfach, aber manche Dinge sind nun mal offensichtlich.

Gucken. Richtig reingucken.

Dieses Video ist extrem amerikanisch und entbehrt nicht einer unfreiwilligen Komik. Zudem muss ich dazu erwähnen, dass ich für den Hersteller dieses „Lieblingstools“ arbeite.

Davon abgesehen kann ich die Grundaussage nur unterstützen: bereits beim Erkunden muss geeignetes Werkzeug mitgeführt werden. Während sich Trupps ausrüsten, ist der Gruppenführer / Fire Officer bereits beim three-sixty, also der Erkundung. Warum sollte er nicht bereits schnell Öffnungen schaffen können, möglicherweise Leben retten? Mit einem leichten, aber schlagkräftigen Werkzeug lässt sich das einrichten.

Was er da in der Hand hält ist die „Pry Axe“. Damit lassen sich keine Absperrpfosten aufmachen, dafür aber ziemlich gut normale Wohnungstüren oder Fenster öffnen, Vorhängeschlösser entfernen, ganz ohne Bänder- und Sehnenrisse.

Oder ist das eine schlechte Idee?
Quelle: Fire Rescue 1

Eng

Manchmal wird ja gesagt, dass sich in Deutschland zu viele Feuerwehrleute an den Einsatzstellen tummeln. Ganz im Gegensatz zu den USA, wo der Erstangriff auch mal mit vier Mann gestartet wird.

In dem unten verlinkten Video (einbetten ging leider nicht) wurde aber das Feuer auch eher durch die Masse an Feuerwehrleuten ausgetreten als gelöscht.

Selbst im Innenangriff ist es eng. Man kann sich ja kaum bewegen 😉

Helmkamera-Video

Edit 27.04. – 9.00 Uhr: Ich hatte das Video bei Dave Statter gefunden. Mittlerweile ist es bei Youtube „privat“.