Technik

Schaum – ein komplexes Thema

Rezension von de Vries‘ Einsatz von Schaummitteln

Buchcover De Vries: Einsatz von SchaummittelnDer Bürger erwartet, dass die Feuerwehr vorbereitet ist – das versteht sich von selbst, denn deshalb besitzt die Kommune eine derartige Einrichtung, die ausgebildet ist und ihre Handgriffe immer wieder übt. Wird alles geübt? Wie bei der Geschichte mit dem gallischen Dorf, lautet auch hier die Antwort. Nein! Feuerwehr ist ein kleinteiliges System, deren teilweise hochkomplexe Inhalte der ordinären Ausbildung trotzen und nur Spezialisten vorbehalten sind. Eines dieser komplexen Themen ist der Einsatz von Schaummitteln, dessen rechtliche, wissenschaftliche und politische Seite Holger de Vries in dem Buch „Einsatz von Schaummitteln. Auswahl und Logistik“ aus der Reihe Fachwissen Feuerwehr gewohnt kritisch betrachtet und eine Reihe von Maßnahmen vorschlägt. Taktische und einsatztechnische Aspekte bleiben bewusst außen vor und anderen Publikationen zu diesem Thema vorbehalten. More

Die Lizenz zum Üben

Touché, möchte man da sagen. Spiegel Online berichtet in einem Artikel über den Einsatzfahrtensimulator der Hamburger Polizei. In einem Selbstversuch klettert der Reporter selbst in den Simulator … und es kracht. Gänzlich unbekannt ist mir dieses Ereignis nicht, denn vor Jahren – es ist wirklich bald ein Jahrzehnt her – bin ich in fast demselben Simulator während einer Feuerwehrmesse gesessen … und es krachte gleich mehrfach.

Der Einsatzfahrtsimulator von IFE Systems soll Sonderrechtsfahrer sensibilisieren. Bild:fwnetz/sc

Der Einsatzfahrtsimulator von IFE Systems soll Sonderrechtsfahrer sensibilisieren. Bild: fwnetz.de/sc

Damals Novum, sind Fahrsimulatoren heute Stand der Ausbildung. Da der Link auf meinen Bericht im fwnetz.de nichts anzeigt (leider scheint die Seite des Artikels kaputt zu sein; Link über die Wayback-Maschine), veröffentliche ich den damaligen Bericht bzw. Selbstversuch einfach erneut an dieser Stelle. Bilder und Videos des damaligen Artikels habe ich aktuell nicht zur Hand, zumindest müsste ich mal daheim in meinem Archiv nachschauen und ggf. nachreichen. More

Fit und aktiv dank blauem Licht

Feuerwehr im Einsatz

Die Feuerwehr, zu erkennen an den roten Fahrzeugen und den blauen Blinklichtern.

 „Was ist das?“ / „Blaues Licht!“ / „Was macht es?“ / „Es leuchtet blau!“

Wäre John J. Rambo nicht so wortkarg, hätte er seinem Dialogpartner im Film „Rambo 3“ sicherlich noch weitere physiologische Vorzüge des blauen Lichts nennen können, welche die Wissenschaft nach und nach entschlüsselt. Blaues Licht wirkt Müdigkeit entgegen, verbessert die Aufmerksamkeit und steigert die Leistungen. Blaues Licht unterbindet nämlich die Produktion von Melatonin und dient dem Körper als Signal für eine Wachphase. Deshalb sind wir am Tag („blauer Himmel“) wach und in der Nacht müde, um es einfach auszudrücken.

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TechWatch: Traktorstrahl

Für die Technische Hilfeleistung wäre diese Entwicklung eine interessante Option – zumindest in einem größeren Maßstab: der Traktorstrahl. Fans der Science-Fiction-Serie Star Trek wissen, wann immer man ein anderes Schiff nicht entkommen lassen will oder einen Asteroiden auf eine andere Flugbahn schieben will, aktiviert man den Traktorstrahl.

In dieser „fernen Zukunft“ arbeitet man mit einem exotischen Kraftfeld, in der Gegenwart nennt sich das Phänomen Levitation und wird mit Schallwellen erzeugt (geht aber auch mit Druckluft, Magnetismus und mit Laserlicht). Der akustische Traktorstrahl ist jedoch in der Lage, Objekte an die Quelle der Schallwellen heranzuziehen, also ganz ähnlich dem, was die Feuerwehr mittels Stahlkette bei der Oslo-Methode durchführt. Der Clou ist aber, dass sich dieser „Traktorstrahl“ relativ einfach herstellen lassen soll. [scinexx.de | scinexx.de | Applied Physics Letters]

Tech Watch: WLAN als Bildgeber

Noch tasten wir uns durch dunkle und verrauchte Räume, im besten Falle besitzen wir eine Wärmebildkamera und machen die Temperaturunterschiede auf Oberflächen sichtbar, aber wie wäre es mit einer Art Mini-Radar für Gegenstände in der Wohnung?

Physikern der Technischen Universität München ist es gelungen, die räumliche Umgebung eines WLAN-Routers durch die Analyse der reflektierten Funkwellen darzustellen. Prinzipiell wäre die Technik sogar echtzeitfähig. [spektrum.de | PM TUM | Physical Review Letters]

BMA ist kein Fehlalarm

Rezension von SER Brandmeldeanlagen und andere brandschutztechnische Anlagen

Buchcover "Standard-Einsatz-Regeln: Brandmeldeanlagen und andere brandschutztechnische Anlagen"

„BMA, Hurra!“ ist in den sozialen Medien ein geflügelter Ausdruck, wenn eine Fehl- oder Täuschungsalarmierung durch eine Brandmeldeanlage auf den Punkt gebracht werden soll. Hinfahren – Zurücksetzen – Abfahrt. Dass derartige Anlagen aber nicht zum Provozieren der Feuerwehr eingebaut werden, versteht sich von selbst. Mit dem Buch „Brandmeldeanlagen und andere brandschutztechnische Anlagen“ aus der Reihe „Standard-Einsatz-Regeln“ legen die Autoren deshalb eine Ausbildungs- und Informationshilfe für freiwillige Feuerwehren vor, die zum ersten Mal mit einer solchen Anlage in ihrem Ausrückebereich in Berührung kommen und denen sich ein gänzlich neues Einsatzspektrum offenbart.

Die Autoren stellen Basisinformationen zur Verfügung und beginnen mit den fachlichen und rechtlichen Hintergründen derartiger Anlagen. Die technischen Grundlagen, also welche Einrichtungen und Teile eine BMA oder eine andere brandschutztechnische Anlage hat, beschreiben die Autoren übersichtlich, gehen dabei jedoch auf Besonderheiten ein und problematisieren manche Aspekte. More

Vom Himmel hoch, da komm ich her

Eine Kolumne zum Thema fliegende Fahrzeuge

„Im Jahr 2000 werden wir mit fliegenden Autos unterwegs sein“, las ich als Kind einst begeistert in alten Reader‘s Digest Büchern. „Boah, nur noch etwas über zehn Jahre, dann gibt es das“, dachte ich enthusiastisch Ende der 80iger Jahre. Was tat ich? Klar, ich nahm Stift und Papier zur Hand und „entwickelte“ mein eigenes fliegendes Auto, damit die Fahrt/der Flug zu den Großeltern nicht mehr so lange dauert. Tja, als Kind hat(te) man damals noch Träume. Wie das mit den optimistischen Vorhersagen in populärwissenschaftlichen Zeitschriften so ist, traf diese technische Innovation natürlich nicht ein, denn als uns 1997 Luc Besson „Das fünfte Element“ zeigte, in dem sich Bruce Willis in den Häuserschluchten eine Verfolgungsjagd mit seinen Häschern in einem fliegenden Auto lieferte, waren sie noch immer die Vision einer „fernen Zukunft“. Eine Zukunft, die vielleicht zumindest für diese Generation näher als jemals zuvor erscheint.

So sah der frz. Künstler Villemard die Feuerwehrleute der Zukunft: Nicht vom Boden, sondern aus der Luft werden Brände bekämpft. Villemard: Les Pompiers aériens 1910.

So sah der frz. Künstler Villemard die Feuerwehrleute der Zukunft: Nicht vom Boden, sondern aus der Luft werden Brände bekämpft. Villemard: Les Pompiers aériens 1910. (Wikimedia)

Gehören Drohnen – egal welcher Größe – fast schon zum Alltag, machen sie doch Fotos, liefern Daten für die Analyse von Menschenmengen, oder liefern sogar Post und Pakete aus, scheint es nur folgerichtig, auch über den Transport von Menschen in Drohnen/fliegenden Autos nachzudenken. Und schwupp, da ist die alte technische Vision wieder auf der Agenda. Und in der Tat häuften sich in den letzten Wochen Berichte über die Forschung und Entwicklung fliegender, für Menschen geeignete Transportsysteme, denn für die Luftfahrt scheint gerade, dank leistungsfähiger Akkumulatoren, Miniaturisierung und spezieller Werkstoffe ein neues Pionierzeitalter angebrochen zu sein. More

Nicht mehr jede Feuerwehr wird alles leisten können

Rezension von Cimolino et al. Brandbekämpfung in besonderen Lagen

„(N)icht (mehr) jede Feuerwehr (wird) alles machen oder leisten können“ (S. 9), schreiben die Autoren zu Beginn der SER. Keineswegs wollen die Autoren damit die Legitimität einiger Feuerwehren infrage stellen, sondern sie zeigen, dass es „besondere Lagen“ gibt, die spezielle Taktiken und vor allem spezialisierte Geräte benötigen, um deren Herr zu werden. Besondere Lagen operationalisieren Cimolino et al. hinsichtlich des schwierigen Zugangs zum Brandherd, der Brandbekämpfungsdauer im Verhältnis zur Brandgröße und der örtlich nicht begrenzten Wahrscheinlichkeit des Auftretens.

Verschiedene Brandbekämpfungsmethoden und –techniken stellen die Autoren mit ihren Vor- und Nachteilen vor. Dabei leiten sie schnell über zu spezialisierten, über den Alltag hinausgehende Methoden, und hier insbesondere dem COBRA-System, welches in Deutschland eher als Schneid- denn als Löschsystem angesehen wird, gleichzeitig ist aber diese Doppelfunktion für die Brandbekämpfung von enormem Vorteil. More

Mit Wasser auf dem Wasser vor

Das Feuerwehr Weblog berichtete 2015 über den Plan der Dubai Civil Defence ihr Portfolio an Rettungsmitteln, um Jetpacks zu erweitern. Auch wenn man von der Umsetzung des Plans in dem technikverliebten Wüstenstaat noch entfernt scheint, verfügen die Rettungskräfte des Emirats seit kurzem über ein ähnliches, nicht weniger spektakuläres Transport- und Brandbekämpfungssystem für seine Feuerwehrleute: das Dolphin System.

Dolphin ermöglicht es den Einsatzkräften die Einsatzorte auf dem Wasserweg zu erreichen und von dort zu bekämpfen. Ein von der Dubai Civil Defense veröffentlichtes Video zeigt die Bestandteile des Systems, das aus einem Jetski, einem Jetpack und einem Feuerwehrschlauch besteht. Der Jetski erlaubt es den Feuerwehrleuten, den Fluss anstelle der Straßen zu benutzen, um zum Brandherd zu gelangen. Damit vermeidet man die verkehrsreichen Straßen und verkürzt die Eintreffzeiten. Das wassergetriebene Jetpack startet den Feuerwehrmann und den Schlauch in die Luft, sodass sie Brücken, Boote und sogar Gebäude entlang der Küste erreichen können. Weil das System auf der Nutzung von Wasser basiert, kann der Fluss als unbegrenzte Wasserquelle herhalten. [Futurism.com]

Abgefahren? Sicherlich! Allerdings braucht es, denke ich, etwas Übung, bis ein Feuerwehrmann sich auf dem Jetpack halten kann. In Deutschland vorstellbar? Eher nicht! Warum? Da fällt mir spontan zunächst die UVV ein. Aber es gibt sicherlich noch mehr Gründe.