
(hl). … alias Bürger. Zwar hat die Feuerwehr heute eher einen Dienstleistungscharakter, aber trotzdem sehe ich persönlich unsere “Kunden” als “Bürger” an, für die wir eine Verantwortung übernommen haben. Die Verantwortung heißt für mich – kurz zusammengefasst: In Notlagen helfen.
Leider fällt mir in den vergangenen Jahren vermehrt auf, dass der Leistungsanspruch seitens “unserer Kunden” gegenüber uns stetig zunimmt.
Ist das nur mein Eindruck oder habt Ihr in der Vergangenheit ähnliche Erfahrungen gemacht?
Hallo,
ja ich denke schon, dass man das so auch allgemeingültig formulieren kann. Die Erwartungen werden immer größer, insbesondere die an Professionalität und Geschwindigkeit. Wenn ich jetzt noch anfüge, dass die Akzeptanz von Kosten und Lärmbelastungen durch FW-Einsätze sich eher gegenteilig entwickelt haben, dann erzähle ich hier auch nur die alte Leier…
Allerdings finde ich, dass sich auch unser eigener Anspruch an uns selbst erhöht hat, oder zumindest haben sollte. Denn während es „früher“ ausreichend war, dass das Feuer aus ist, und zwar egal wie, so denke ich doch, dass man heute von ozeanischen Löscheffekten mit B-Einhängestrahlrohren abgekommen ist, zu Recht. Das gilt genauso auch für die meisten Bereiche der Technischen Hilfe.
In diesem Zusammenhang sehe ich die FWen auch in der Pflicht, sich weiter zu entwickeln und die neuen Möglichkeiten zu nutzen, die sich ihnen bieten. Wir wollen unseren Job ja auch bestmöglich erledigen und das ist es auch was der Bürger von uns erwartet. Er, der Bürger, ist es nicht anders gewohnt, man kann heute im Prinzip, in jedem Bereich, etwas Besseres finden, sich auswählen. Klar, das kostet dann im Normalfall auch mehr Geld, und da stellt sich dann meistens die Frage welchen Mittelweg man wählt. Aber die Feuerwehr ist da; alternativlos! Und deshalb stellt der Bürger, der inzwischen das Optimum gewohnt ist, welches er immer höher definieren kann, z.B. technische Entwicklungen, diesen Anspruch auch an die Helfer. Ich denke wir sollten versuchen dem gerecht zu werden, während der Bürger versuchen sollte uns dies zu ermöglichen, mittels Akzeptanz, Unterstützung und oftmals besonnenem Verhalten, sowohl in Bezug auf das Erleben von Ausnahmesituationen, als auch auf die Abwägung ob es sich tatsächlich um eine solche handelt.
Kann mich da meinem Vorredner nur anschließen.
Es ist ja auch eine Bestätigung unserer Fähigkeiten, wenn der Bürger mit der Zeit mehr von uns erwarten kann und darf. Würden wir keinen kompetenten Eindruck hinterlassen wären die Erwartungen auch nicht so hoch.
Hallo,
ich denke es gibt zwei Seiten.
Zum einen die Leistung die man von uns bei tatsächlichen Einsätzen erwarten darf.
Diese Leistung sollte bürgernah und angemessen sein, hier hat sich in den letzten Jahren viel getan. Wenn man zum Beispiel an Smokestopper oder Wärmebildkamera denkt. Daher darf vom Bürger hier auch mehr erwartet werden.
Zum anderen wird immer häufig in einer Situation eine Leistung erwartet die kein Feuerwehreinsatz ist. Gefühlt sind in den letzten Jahren die Einsätze mit 2-3 cm Wasser im Keller – aber gemeldet: Keller ist voll Wasser – mehr geworden. Genauso wie die Einsätze mit Baum droht auf Haus zu stürzen, bei denen nur ein Ast im Garten abgebrochen ist.
Hier fehlt es vielen Bürgern an dem Verständnis, dass sie auch sich selbst helfen müssen und nicht für alles die Feuerwehr zuständig ist. Das kann – leider – zu unschönen Diskussionen führen und fördert ganz sicher nicht immer die Motivation der Feuerwehrkameraden.
Guter Aspekt. Vielleicht weil die Möglichkeiten und Fähigkeiten zur Selbsthilfe mittlerweile a) zurückgegangen sind oder b) wegen Faulheit nicht ergriffen werden. So sehe ich die Sache.
Hi,
ich denke es trifft beides zu.
Wir leben in einer extrem ausdifferenzierten Gesellschaft, in der es für jedes auftretende Problem jemanden gibt, der das lösen kann.
Mittlerweile bekommen die BürgerInnen aber gar keine Problemlösungskompetenz mehr vermittelt, so wie es noch zur Zeit der Ost-West-Konfrontation mit dem staatlich vermittelten Selbschutz war. Allerdings ist das nur ein Teil des Problems. Mit der zunehmenden Verstädterung/Landflucht und der Loslösung von z.B. traditionellen (Groß-)Familienzusammenhängen geht AFAIK ebenfalls ein Teil dieser Kompetenz verloren. Wer auf dem Land lebt, weiß was ich meine.
Hinzu kommt die Annahme, die Gemeinde halte die Feuerwehr als die ultimative Problemlösungsgesellschaft speziell vor. Da tauchen dann Argumente auf, die da lauten “Meine Steuern” oder “Die sind eh freiwillig” oder “Die wollen doch Einsätze” …. (Zugegeben: Die Feuerwehren sind an dieser Entwicklung eingedenk so manchem einsatzgeilen Kameraden nicht ganz unschuldig).
Faulheit trifft auch zu, allerdings infolge des sozialen Wandels. Entweder weil wir es einfach nicht können (oder können wollen) oder infolge unseres Dienstleistungsdenkens. Wir sind egoistischer und inhumaner geworden, kümmern uns nicht um das, was um uns herum geschieht. In Kombination mit den genannten Argumenten eine diabolische Mixtur.